Ilya - oder wenn ein Stern verschwindet

Die Geschichte einen Sternenkindes, welche den Kindern in aller Welt gewidmet ist.
Ich habe lange überlegt, wie ich die vergangenen Tage am besten erzähle und habe dann die Form einer Geschichte gewählt. Ich werde keine Namen verwenden, ausgenommen den des Kindes: Ilya. Viele Einzelheiten kann ich hier leider nicht veröffentlichen. Das hier ist also nur die Spitze des Eisbergs. Der Rest des Berges wird versteckt bleiben.
11. September 2008
Vergangenen Woche habe ich von einem Freund im Chat eine Nachricht erhalten, in der er mir sagt, dass ein Kind dringendst ein Dünndarmtransplantation benötigt. Das Kind ist gerade erst einmal zwei Monate alt und ihm wurde ein Teil des Darms herausoperiert. Seinen Namen hatten wir zu jenem Zeitpunkt noch nicht verwendet. Es ging ihm wirklich sehr schlecht und wir hatten keine Zeit zu verlieren. Also haben wir einige unserer Kontakte angeschrieben und ich möchte der Person herzlich danken, die den Kontakt mit einem bekannten Krankenhaus in Rom hergestellt hat. Es ging wirklich alles sehr schnell. Die Ärzte in Rom waren sehr aufgeschlossen und haben sich sofort um den Fall gekümmert.
Wir hatten auch Kontakte zu einem Krankenhaus in Deutschland aufgenommen, wo uns ein Arzt etwas später geantwortet hatte, als der Kontakt mit Rom bereits stand. Beide Ärzte, in Italien und Deutschland, haben dasselbe gesagt: das Kind war schwerkrank und in Lebensgefahr. Als nächsten Schritt mussten wir die Kommunikation zwischen den Ärzten in den beiden Krankenhäusern herstellen und wir wussten nicht, ob es möglich war, dies auf Englisch zu tun. Deshalb habe ich einige Kollegen um Hilfe gebeten, denn es gibt nur wenige Fachübersetzer für Medizin in der benötigten Sprachkombination. Viele haben uns geholfen, indem Sie uns ihre Kontakte weitergegeben habe und wir haben uns alle aufgehoben, denn wir werden sie wahrscheinlich auch in Zukunft benötigen. Also: vielen Dank an die Übersetzerkollegen, die uns geholfen haben.
Am Montag früh, den 8. September 2008 war dann das erste Gespräch der Ärzte und daraus ging hervor, was wir für den Transport benötigen würden. Vom Brutkasten mit Beatmungsgerät bis zum Militärflugzeug ... na ja, ein Berg, der zu erklimmen war. Wieder haben uns viele Leute geholfen und alles hing nur noch von dem Gespräch mit dem Oberarzt des Krankenhauses am Mittwoch morgen um 9:30 Uhr und die Transportanfrage über das italienische Generalkonsulat ab. Wir waren so nah dran ... und wir hofften so sehr, dass der Oberarzt das OK für den Transport hätte geben können, denn dies hätte bedeutet, dass wir es fast geschafft hätten.
In den vergangenen Tagen haben wir viel, wirklich sehr viel gelernt. Nicht nur, was technisch notwendig ist, sonder auch sehr viel auf menschlichem Niveau.
Dann kam der Mittwoch morgen. Das erste Mal hatte das Kind einen Namen für mich: Ilya. In wenigen Tagen, entsteht eine persönliche Beziehung, auch wenn man die Leute, mit denen man zu tun hat nicht persönlich kennt. Wir waren etwas nervös, denn dieses Gespräch hätte über so viel entschieden.
Um neun erhalten wir dann die Nachricht: Ilya war um 8:30 Uhr von uns gegangen.
Ilya ist nicht das einzige Kind, welches in so kritischem Zustand ist, es gibt andere, die Pflege und Zuwendung benötigen. Eines ist klar für us: sein Tod darf nicht unnütz gewesen sein. Er muss dazu dienen anderen Kindern eine bessere Zukunft zu geben.
Nochmals herzlichen Dank an alle, die uns geholfen haben, auch an jene, die als Sekretär/innen oder in den Zentralen unsere Anrufe entgegengenommen haben: Ihr alle habt versucht, das unmögliche zu erreichen. Wenn ich dann sehe, wie wir diese Welt jeden Tag als so negativ vorgestellt bekommen und ich dann auf die letzte Woche zurückblicke, dann kann ich nur eines sagen: es liegt viel positive Kraft in allen Menschen, ma muss sie nur hervorholen.
Danke!


Kommentar hinzufügen